Marketing in Krisenzeiten – aber bitte das Richtige!

Covid-19, bzw. Corona, stellt eine außerordentliche Belastung für die Wirtschaft dar.
Es fordert Unternehmen jeglicher Größe und Kategorien. Wirklich keine Branche kann gerade von sich behaupten, es gehe spurlos an ihr vorbei und/oder, dass sie am Ende als Sieger dastehen wird.

Aber, und das gilt es sich immer wieder vor Augen zu führen, es ist nicht die erste Prüfung, welcher sich Unternehmen, Unternehmer, Führungskräfte und vor allem Mitarbeiter zu unterziehen haben.

In erster Linie gilt es daher Ruhe zu bewahren und einen kühlen Kopf zu behalten, sich zu sortieren, nicht Opfer von Übersprungshandlungen zu werden und sich dazu treiben zu lassen, Entscheidung auf Basis einer schlechten Datenlage zu treffen. Denn die war jeher Ausgang von Problemen und hat auch das ein oder andere drastische Ende maßgeblich herbeigeführt.

Mit Blick in die Daten lässt sich sagen, die Welt wird sich weiterdrehen. Bedarf und Konsum findet weiterhin statt, nur verlagern sich temporär die Schwerpunkte (Und nein: Nicht ausschließlich auf Klopapier und Nudeln). Wichtig ist also, mehr denn je, Marketing für das eigene Produktportfolio zu betreiben. Was sollte aber mehr denn je vermieden werden: Geld ausgeben, ohne zu wissen, wo genau.

Seit einigen Tagen ist zu beobachten, dass speziell die Fraktion, welche favorisiert die klassischen Marketingkanäle vertritt, von einer Renaissance von TV spricht, zumal die Menschen laut ihrer These wieder mehr TV schauen (Wow!) – aber mal ganz ehrlich, wer denn genau?

Das Personal der Unternehmen ist nicht im Urlaub, es ist im Home-Office und ist daher gerade in erster Linie damit beschäftigt, den eigenen Arbeitsalltag auf diese sehr persönliche Herausforderung abzustimmen. Denn für viele arbeitende Menschen ist es dann doch das erste Mal, dass sie komplett zuhause arbeiten und das ist nicht nur damit abgetan, ein Notebook am eigenen Esstisch aufzuklappen. Und nur in den wenigsten Fällen helfen die Weisheiten von Experten der „New Work“ Gesellschaft dabei weiter. Denn hier fehlt in der Regel die Erfahrung, wie das ist, das reguläre Familienleben auf engstem Raume.

Aber wir schweifen ab. Wer schaut eigentlich reguläres TV-Programm? Es ist zu vermuten, dass es genau die Menschen sind, welche das auch zuvor schon im Schwerpunkt getan haben. Es wird allerdings durch ein paar wesentliche Faktoren ergänzt: Zum einen dem Umstand, dass auch diese Menschen nun drastisch in ihrer Bewegungsfreiheit eingeschränkt sind und sich der Eintönigkeit des Programmes hingeben müssen – und: der überdurchschnittlich hohen Anzahl an Werbepausen im Kontext eines dann doch sehr statischen und vor allem eintönigen Programms.

Es ist auch nicht davon auszugehen, dass mit einer drastischen Erhöhung von TV-Konsumenten aus Richtung derer zu rechnen ist, welche sich bis dato eher vom regulären Fernsehangebot entfernt haben. Ganz ehrlich, ich weiß noch nicht einmal mehr, wie man das lineare TV aktiviert. Man hat sich bereits sehr weit psychisch und physisch entfernt. Was zur Hölle sollte mich also grundlegend dazu animieren, dass jetzt nachträglich wieder zu tun? Hai-Alarm auf Mallorca? Come on…  

Wenn man nun an Marketing in diesem Kanal gedacht hat, dann wird sich weiterhin mit vollkommen antiquierten Reichweitenberechnungen in der Zielgruppe das eigene vollkommen schwachsinnige Marketing schöngerechnet. Lasst es mal schön die anderen machen. Lasst euch nicht zu so etwas hinreißen, denn genau dort werdet ihr das sogenannte Pulver verschießen und mit einer hohen Wahrscheinlichkeit, nur minimale Wirkung erzielen.

Die dringende Empfehlung des Hauses: Digital! In kleinen Mengen und in Kombination mit ordentlichen Daten. Sie sind da und können jederzeit genutzt werden. Und nein, es gibt auch keine grundsätzliche Banner Blindness. Lediglich lieblose oder stumpfe Bewerbung wird vom Endverbraucher, uns allen, einfach abgelehnt. Und wenn ich Digital sage, dann meine ich keine GDN, um sich vermeintliche „Reichweiten“ Clicks zu kaufen (in sich schon ein Widerspruch). Das war in der Vergangenheit bereits Schwachsinn und das wird jetzt kein Stück besser. In dem Fall kann man das Geld auch direkt anzünden und die Asche das Klo runterspülen. Der Effekt ist derselbe. Geld ist weg.  

Fazit: Sparen – ja! Aber bitte da, wo es objektiv betrachtet ohnehin schon länger Zeit nötig gewesen wäre. Bei Kanälen, wo ich einfach nicht ordentlich messen kann. Und mit Messen meine ich nicht diese blödsinnigen Messmethoden über ausgewählte Haushalte, bla, bla; n=… Wir sind im Jahre 2020, nicht mehr 1984.

Also wer gerade Zeit hat und sprechen möchte, wie wir das Geld zeitgemäß bei den richtigen Endverbrauchern platziert bekommen, um nicht auf den nächsten wirklichen Einbruch des Umsatzes zuzusteuern, der meldet sich einfach.

 Ansonsten an alle: Bleibt besonnen und bleibt vor allem eines: Gesund!


Siamac Alexander Rahnavard, Managing Partner
Über den Autor
Siamac Alexander Rahnavard, Managing Partner
Siamac Alexander Rahnavard ist Managing Partner und Mitgründer von „Echte Liebe“. In der Agentur für Programmatic Marketing mit Hauptsitz in Köln ist er unter anderem zuständig für strategische Beratung, Prozess- und Systemanalysen, die Steuerung des Key-Accounting sowie Personalentwicklung. Außerdem ist Siamac stellvertretender Vorsitzender der Fokusgruppe Programmatic Advertising im BVDW und hat dort den Code of Conduct Programmatic Advertising maßgeblich mitgestaltet. Er ist Initiator des Programmatic Advertising Zertifikats und Mitglied im Prüfungsausschuss.

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